Wenn wir Schüler*innen das am Anfang eines Glücksworkshops fragen, sagt die Mehrheit: No offense, aber Schule und Glücklichsein passen nicht zusammen. Im Gespräch wurden uns vor allem Leistungsdruck, Konflikte mit Mitschüler*innen und das Gefühl, von Lehrkräften ungerecht behandelt zu werden, als Gründe genannt. Es ist kein Geheimnis: Stress und mentale Belastung gehören für viele Schüler*innen zum Alltagsgeschäft. Umso wichtiger ist es, dass junge Menschen sich damit beschäftigen, was ihnen gut tut.

In unserem Glücksworkshop geht es deswegen einerseits darum, Glücksquellen im eigenen Leben zu entdecken – oftmals die scheinbar kleinen Dinge des Alltags. Denn in den eigenen Glücksquellen stecken wichtige Ressourcen, aus denen Energie, Inspiration und Mut zum Handeln hervorgehen können. Wir glauben, dass es in einer volatilen Welt, auf deren Zukunft viele junge Menschen mit Sorge blicken, einerseits den Blick nach innen braucht: Was zählt für mich im Leben wirklich? Was erfüllt mich mit Sinn und woher nehme ich meine Kräfte? Andererseits wissen wir: Glück will erfahren werden. Daher bringen wir viel Aktivität in den Workshop, mit dem Ziel, einander glücklich zu machen, z.B. durch Glücksbotschaften in der Schule:

Kreativität als Pausetaste vom Stress

Selbermachen, ohne den Anspruch, eine Leistung erbringen zu müssen, versetzt – so beobachten wir – viele Schüler*innen in den berühmten Flow-Zustand (nach M. Csíkszentmihályi). Das ist ein Zustand, in dem man sich völlig in das jetzige Geschehen vertieft, und zwar ohne jede Anstrengung wahrzunehmen. Das gestalterische Tätigwerden wirkt für viele Schüler*innen wie eine Pausetaste, weil hier unangenehme Themen für einen Moment in den Hintergrund rücken.

Dabei erleben wir oft eine ganz besondere Atmosphäre, in der zentrale Fragen aufkommen und Platz haben: Wer bin ich? Wohin zieht es mich? Auf welche Weise will ich mich einbringen? Nicht selten erleben wir, dass die Schüler*innen in diesem Rahmen wichtige Selbstwirksamkeitserfahrungen machen und bewegende Erkenntnisse über sich selbst und die Welt haben.

Ein Beispiel: Anthony

Anthony zweifelt an seinem Projekt. Eigentlich will er andere in der Schule zu guten Taten inspirieren. Aber als er die ersten Inspirationskärtchen schreibt, findet er plötzlich alles daran blöd. “Da macht doch eh keiner mit”, sagt eine Stimme in ihm. Er nimmt all seinen Mut zusammen und fragt mich: “Kann ich vielleicht mal in der Schule rumgehen und fragen, wie die anderen meine Kärtchen finden?” Wie gerne würde ich ihm sagen: “Was, wieso? Deine Idee ist doch total wertvoll, mach weiter!”. Ich befürchte, dass ihn der Mut verlassen könnte, wenn Schüler*innen seine Idee kritisieren. Aber Anthony zieht mit den Kärtchen los. Und berichtet mir nach 20 Minuten freudestrahlend, wie positiv das Feedback war. Das gibt ihm jede Menge Motivation, um sein Projekt in der ganzen Schule umzusetzen — und damit für ganz viele gute Taten zu sorgen. “Deine Ideen sind wertvoll” — das hat Anthony nicht verstanden, weil ich es ihm erklärt habe, sondern weil er es selbst erlebt hat.

Warum ist das wichtig?

Negative Gefühle gehören zum Leben dazu, und kein Mensch kann immer glücklich sein. Die Herausforderungen und teilweise existenziellen Zukunftsängste, die junge Menschen erleben, nehmen wir ernst. Gleichzeitig wollen wir junge Menschen ermutigen, die Dinge in die Hand zu nehmen und eine proaktive Haltung einzunehmen. Das Aktivwerden bietet einen wichtigen Erfahrungsraum für junge Menschen – einer, der aufzeigt:

> Deine Ideen sind wichtig.
> Du kannst Dinge mitgestalten.
> Du kannst Veränderung bewirken.
> Wirkung fängt hier und heute bei dir an.

 

Glück und Sinn verstecken sich oft in kleinen Dingen. Im Alltäglichen. Selbst, wenn die Wirkung im Vergleich zu den großen Herausforderungen der Welt noch so gering erscheinen mag – es ist eine Wohltat für das eigene Glücksempfinden und die eigene Resilienz, es trotzdem zu tun. Schule ist oft (noch) kein Ort des Glücks. Dabei können vermeintliche Kleinigkeiten ein wichtiger positiver Zuspruch im Leben einer anderen Person sein. So wie Anthony, der uns am Ende des Workshops zurückgemeldet hat: „Ihr wart die ersten, bei denen ich mal wirklich ehrlich sagen durfte, was ich denke”.

Was kannst du angehen, obwohl es eigentlich zu klein erscheint?